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Schweiz: Pille Danach wird in Clubs beworben & deshalb stark kritisiert

Die Pille Danach ist in der Schweiz seit Februar 2016 rezeptfrei erhältlich, sodass Frauen bei der Beschaffung der Umweg über einen Hausarzt oder Gynäkologen erspart bleibt. In der Schweiz werden jedes Jahr rund 100.000 Pillen Danach ausgegeben, was für die Beliebtheit des Notfallverhütungsmittels spricht.

Schweiz: Pille Danach wird in Clubs beworben & deshalb stark kritisiertEin Beispiel für eine solche Pille Danach ist das Präparat Ella One vom Pharmakonzern HRA-Pharma. Der Hersteller wirbt damit, dass das Notfallverhütungsmittel eine Schwangerschaft bis zu fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr verhindern könne.

Aktuell steht der Konzern jedoch harsch in der Kritik: Er soll auf Club-Toiletten in Zürich Werbung für seine Pille Danach gemacht haben. Diese Verweise zum einen auf das Medikament selbst, und zum anderen auf die zugehörige Website, die weitere Informationen zum Medikament bereithält.

Laut Werbeagentur genoss die Anzeige bei den Club-Besuchern eine „exorbitant hohe Aufmerksamkeit„. Politiker und Gesundheitsexperten kritisieren diese Form der Werbung jedoch. Warum das so ist und wie sich HRA-Pharma rechtfertigt, erfahren Sie in diesem Artikel. 

Werbung für Ella One stößt auf Kritik

Margrit Kessler, die Präsidentin der Schweizer Stiftung SPO Patientenschutz, bezeichnet die Werbung für Ella One als „unhaltbar„. Sie befürchtet, dass insbesondere junge Mädchen die Werbung falsch verstehen und infolgedessen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit unbekannten Männern haben könnten. Die Werbung sei insbesondere in Kombination mit Alkohol, der in Clubs bekanntlich in Strömen fließt, extrem gefährlich.

Maja Ingold, die EVP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin, befürchtet, die Werbung „öffne der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten Tür und Tor„. Mit der Verwendung der Pille Danach habe man ja schließlich laut Werbeanzeige keine Schwangerschaft zu befürchten – Kondome würden somit überflüssig werden.

Des Weiteren ist fraglich, ob junge Frauen das Notfallverhütungsmittel überhaupt rechtzeitig einnehmen, da damit geworben wird, dass das Medikament auch bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr funktioniere. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit von Stunde zu Stunde rapide abnimmt. Je schneller das Notfallverhütungsmittel eingenommen wird, desto besser. Ein Zeitraum von fünf Tagen sei deshalb ein gefährlicher Trugschluss. Schließlich tendieren die meisten Menschen dazu, alles erst in letzter Sekunde zu erledigen.

Wie rechtfertigt sich HRA-Pharma zu dieser Kritik?

HRA-Pharma weist die Vorwürfe entschieden zurück und ist der Meinung, die Werbung kläre Frauen sogar auf. Schließlich werden der weibliche Zyklus und die Wirkweise der Pille Danach auf der verwiesenen Website ausführlich erklärt.

Auch der Wegfall von Kondomen werde durch Ella One nicht gefördert. Im Gegenteil: Wenn man sich eine Informationsbroschüre über Ella One besorgt, liegt dieser stets ein kostenfreies Kondom bei.

Was sagen Experten und Clubbetreiber zu den Anschuldigungen?

Die Züricher Clubbetreiber entziehen sich jeglichen Kommentares und verweisen auf die entsprechenden Werbeagenturen, die für die Schaltung der Werbung verantwortlich sind.

Diese sind der Meinung, junge Mädchen seien heutzutage nicht so naiv und unverantwortlich, wie es die Politiker und Gesundheitsexperten gerne behaupten. Sie würden über Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaften genug wissen, um beides erfolgreich abwenden zu können. Zudem wüssten sie aufgrund der Informationen der Werbung, dass die Pille Danach ein Notfallverhütungsmittel ist und die Antibabypille nicht ersetzen kann.

Experten fänden das Aufstellen von Kondomautomaten deutlich sinnvoller, da diese nicht nur vor Schwangerschaften schützen, sondern zudem auch vor gefährlichen Geschlechtskrankheiten, wie zum Beispiel HIV.

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